Unterschätzte “Kinderkrankheit”

Rund zwei Drittel der gemeldeten Keuchhustenfälle betreffen heutzutage Erwachsene. Foto: djd/GlaxoSmithKline/Shutterstock/Aleksandra Suzi
Rund zwei Drittel der gemeldeten Keuchhustenfälle betreffen heutzutage Erwachsene. Foto: djd/GlaxoSmithKline/Shutterstock/Aleksandra Suzi

Die Mehrzahl der Deutschen bewertet ihr Keuchhustenrisiko deutlich zu niedrig

Keuchhusten – eine Krankheit, die hauptsächlich Säuglinge, Kinder und Jugendliche bekommen. So denkt zumindest fast die Hälfte der Menschen in Deutschland. Noch mehr (84 Prozent) glauben, selbst höchstens ein niedriges Ansteckungsrisiko zu haben, sich mit der bakteriellen Atemwegserkrankung anzustecken.

Rund zwei Drittel sehen sogar fast keine oder gar keine Gefahr. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Ipsos-Umfrage im Auftrag des forschenden Gesundheitsunternehmens GSK. Doch die Realität sieht anders aus, als die Befragten denken: Heute betreffen rund zwei Drittel der gemeldeten Keuchhusteninfektionen Erwachsene, von denen jeder Fünfte 60 Jahre oder älter ist. Das liegt auch daran, dass eine durchgemachte Erkrankung oder erfolgte Impfung keinen lebenslangen Schutz gewährt. Man kann sogar mehrmals im Leben an Keuchhusten erkranken.

Impfschutz rechtzeitig auffrischen

Gerade die häufig betroffene Generation 60plus hat ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe: 40 Prozent der älteren Patienten erleiden Komplikationen, die von Rippenbrüchen über Inkontinenz bis hin zu Lungenentzündungen reichen können, welche langwierige Behandlungen und nicht selten längere Krankenhausaufenthalte nach sich ziehen. Dabei kann man eine Keuchhustenerkrankung mit einer Impfung vorbeugen: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Erwachsenen, sich bei der nächstfälligen Tetanus-Diphtherie-Auffrischung mit einem Kombinationsimpfstoff gleichzeitig einmalig gegen Keuchhusten impfen zu lassen – alle Infos dazu gibt es unter www.impfen.de.So kann man wochenlangen, quälenden Hustenattacken und möglichen Folgeerkrankungen vorbeugen. Nach der neuesten Erhebung haben lediglich 40 Prozent der Erwachsenen die Auffrischimpfung gegen Keuchhusten wahrgenommen. Hier ist also in der Gesundheitsvorsorge noch Luft nach oben.

Die Kleinsten schützen

Neben den älteren Menschen gibt es noch eine zweite Gruppe, die besonderen Schutz braucht: Säuglinge, die in der Zeit von der Geburt bis zur eigenen aktiven Impfung besonders gefährdet sind. Seit März 2020 empfiehlt die STIKO deshalb die Keuchhusten-Impfung für Schwangere in jeder Schwangerschaft. In der Regel sollte die Keuchhusten-Impfung zu Beginn des dritten Schwangerschaftsdrittels erfolgen. Besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt, sollte die Impfung ins zweite Schwangerschaftsdrittel vorgezogen werden. Durch die Impfung in der Schwangerschaft kann ein effektiver Keuchhusten-Nestschutz von Mutter zu Kind weitergegeben werden. Auch enge Kontaktpersonen von Säuglingen, wie Großeltern oder Freunde der Familie und Personal in Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen, sollten sich impfen lassen. djd