Wasserdampf statt Abgasen

Wasserdampf statt Abgasen - daran arbeitet das Allgäu mit Unterstützung aus Berlin
Wasserdampf statt Abgasen - daran arbeitet das Allgäu mit Unterstützung aus Berlin. Foto: Sandra Gross, BMZ
(Oberallgäu)

Wasserdampf statt Abgasen – daran arbeitet das Allgäu mit Unterstützung aus Berlin

Eine besondere Förderung des Bundesverkehrsministeriums erhalten das Allgäu und ausgewählte weitere Regionen in Deutschland, um Projekte mit Wasserstoff umzusetzen. Doch was ist Wasserstoff eigentlich und welche Rolle spielt er im Allgäu für die Energiewende?

Wasserstoff kann unterschiedlich erzeugt werden. Verbreitet ist die Aufspaltung von Wassermolekülen in Wasserstoff und Sauerstoff mittels elektrischen Stroms. Ein Teil der Energie wird dabei im Wasserstoff gespeichert, allerdings steckt ein Teil der Energie auch im Sauerstoff und ein weiterer Teil wird in Wärme umgewandelt. Wasserstoff ist also ein Energiespeicher, mit dem Strom aus erneuerbaren Quellen über längere Zeit aufbewahrt werden kann. Im Allgäu sind das beispielsweise Stromüberschüsse an besonders sonnigen oder windigen Tagen aus Sonne und Windkraft. Besonders sinnvoll ist die Erzeugung von Wasserstoff dort, wo entweder überschüssiger Strom zur Verfügung steht oder wo auch die Nebenprodukte Sauerstoff und Wärme gebraucht werden. Beides ist auf Kläranlagen der Fall, Sauerstoff und Wärme werden dort in großen Mengen benötigt. Auch Strom steht dort zur Verfügung: Die Kläranlage des Abwasserzweckverbands Kempten erzeugt im Laufe eines Jahres mehr Energie, als sie verbraucht. Sie ist daher ein idealer Standort für die Erzeugung von sehr kostengünstigem Wasserstoff.

Gerade für die Mobilitätsanwendungen ist Wasserstoff interessant. Wasserstofffahrzeuge haben wie Verbrenner kurze Betankungszeiten und große Reichweiten. Ein Zug kann bis zu 1.000 Kilometer mit einer Betankung fahren, Autos etwa 600 Kilometer. Der wesentliche Unterschied zu heute üblichen Verbrenner-Fahrzeugen ist, dass anstelle (klima-) schädlicher Abgase nur Wasserdampf aus dem Auspuff kommt. Auch bei der Erzeugung werden nur Strom und Wasser benötigt, so es entstehen keine schädlichen oder störenden Emissionen, wie etwa bei der Ölförderung oder in einer Mineralöl-Raffinerie.

Mithilfe der Fördermittel werden nun die erforderlichen Anlagen geplant und eine Struktur aufgebaut, um diese zu betreiben. Ziel ist, ausreichend Wasserstoff für den Betrieb von Zügen, Bussen, LKW und Pkw zu erzeugen. Dabei sollen die Planungen möglichst einfach auf andere Standorte im Allgäu übertragbar sein, sodass zukünftig an mehreren Orten Energie in Wasserstoff gespeichert werden kann.

Es hat sich bereits eine größere Zahl Allgäuer Unternehmen bereit erklärt, die Anwendungsmöglichkeiten von Wasserstoff in den Betrieben zu prüfen. Dass ist sehr wichtig, denn so könnte der regional erzeugte Wasserstoff vor Ort genutzt werden. Dabei unterstützt und vernetzt die Hochschule Kempten, zum Beispiel mit Verbesserungen von Antrieben mit Wasserstoff-Brennstoffzellen. Schließlich wird auch eine Verteilinfrastruktur über Tankstellen notwendig werden, die im Rahmen des Projekts ebenfalls geplant wird. Deutschlandweit gibt es bereits rund 100 Wasserstofftankstellen, jedoch noch keine im Allgäu.

Bei einem Strategiegespräch mit den Bundesministern Dr. Gerd Müller und Andreas Scheuer wurden die Pläne besprochen und ein sehr zügiges Vorgehen vorgeschlagen, um möglichst bald die Umsetzungsphase beginnen zu können. Auch der Oberallgäuer Kreisrat und Bundestagsabgeordnete Stephan Thomae begrüßt die Fortschritte: „Es freut mich sehr, dass aus der Initiative für eine Wasserstoffzukunftsregion Allgäu nun die entscheidende Weichenstellung getroffen werden konnte. Die Zusammenarbeit mit meinem Abgeordnetenkollegen Herrn Bundesminister Dr. Gerd Müller und Landrat Anton Klotz ist ein Beispiel dafür, wie auch zwischen Regierung und Opposition die Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg im Interesse des Wahlkreises möglich sein kann“.

Wasserstoff hat eine wichtige Rolle im Rahmen der Energiewende. Sinnvoll und wirtschaftlich produziert werden kann er an Orten wie der Kläranlage in Kempten, dabei sind große Mengen an erneuerbarer Energie erforderlich, die heute noch nicht immer zur Verfügung steht. Daher setzen sich Landkreis Oberallgäu und die Stadt Kempten auch weiterhin im Rahmen ihrer Masterpläne für 100% Klimaschutz für den Ausbau erneuerbarer Energien ein.


Zum Bild: Bundesminister Dr. Müller (2. v.l.) erhält von Bundesminister Scheuer den Fördermittelbescheid für die Planung einer Wasserstofferzeugung im Allgäu. Beworben hatten sich der Geschäftsführer des Abwasserzweckverbands Kempten, Herr Beer (links) zusammen mit der Stadt Kempten und dem Landkreis Oberallgäu, für die Herr Steuer (rechts) den Förderbescheid entgegennahm. Foto: Sandra Gross,BMZ