Schärfe aus dem Gams-Streit genommen

Exkursionsteilnehmer im ungewöhnlichen Gamsgebiet Kürnach: Jagdberater Haugg erläutert die Reviere mit einem Blick auf das Gamsgebiet Adelegg in Baden-Württemberg.
Exkursionsteilnehmer im ungewöhnlichen Gamsgebiet Kürnach: Jagdberater Haugg erläutert die Reviere mit einem Blick auf das Gamsgebiet Adelegg in Baden-Württemberg. Foto: Landratsamt Oberallgäu
(Kürnach)

Exkursion ins Gamsgebiet Kürnach

Entzündet hat sich der Streit an dem geplanten Abschuss von 28 Gams. Anders als in den Jahren zuvor, bezieht sich der diesjährige Abschuss nicht auf ein Einzelrevier, sondern einen Zusammenschluss von 11 Revieren, darunter das Staatsforstrevier Kürnach.

Vertreter dieser Jagdreviere, sowie Teilnehmer der Jagdbehörden in Sonthofen und Augsburg, des Jagdbeirates, des Kreisjagdverbandes Kempten und Gäste aus dem unmittelbar angrenzenden Baden-Württemberg fanden sich am 17.10.2019 zu einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch und einer Besichtigung des Gamsgebietes Kürnach ein.

Eingeladen zur Exkursion hatte das Landratsamt Sonthofen, Leitung der Exkursion lag in Händen von Wildökologin Agnes Hussek. Prof. Schröder sorgte durch routinierte Moderation für eine konstruktive Gesprächsatmosphäre.

An fünf Stationen des Staatsjagdrevieres Kürnach hören die 30 Teilnehmer Beiträge zu Gamsverbreitung früher und heute, Bejagungsmöglichkeiten in dem dichten Waldgebiet, bevorzugten Aufenthalten der Gams in den steilen Tobeln und an den eingestreuten Nagelfluhabbrüchen.

Jagdberater Haugg berichtet aus langjähriger Erfahrung als Forstamtsleiter über Schwankungen in der Häufigkeit der Kürnach-Gams: zahlreicher war diese Wildart vor 40 Jahren, damals wurden mehr Gams geschossen, das Verbreitungsgebiet war größer. Nach einer bewussten Reduktion zur Förderung der Naturverjüngung, nahm der Gamsbestand um die Jahrtausendwende wieder zu. Ulrita Holz, Jagdleiterin in den Revieren Wengen und Wenger Egg, erwähnt aus 20-jähriger Erfahrung, dass Gams in den letzten 5 Jahren wieder häufiger gesehen wird.

Betriebsleiter Jann Oetting äußert Unverständnis über die Zuspitzung der Kritik auf den Forstbetrieb Sonthofen. Unterstellt wird dem Staatsrevier die Ausrottung der Gams im Gebiet. Es stimmt zwar, dass das Forstrevier Kürnach besonders attraktiven Gamslebensraum bietet, die Abschüsse in den zurückliegenden 10 Jahren liegen jedoch nur zwischen einem und zehn Stück und gefährden den Gamsbestand nicht. Der nun kritisierte geplante Abschuss von 28 Stück bezieht sich nicht auf das Staatsjagdrevier, sondern auf alle 11 Reviere im Zusammenschluss. Das wird oft missverstanden.

Peter Lutz, Kreisjägermeister auf Baden-Württembergischer Seite, stellt klar, dass der Gamsbestand in der Adelegg jenseits der Landesgrenze und in der Kürnach in Bayern eine Population darstellen. Naheliegend für ihn, ist eine grenzüberschreitende Untersuchung und Abschussplanung des Bestandes.

In einer Schlussdiskussion im Gasthof Adler in Buchenberg ist man einer Meinung, dass die Abschussplanung für den Zusammenschluss der Reviere bestehen bleiben soll – sie bietet mehr Flexibilität in der Bejagung. Einverständnis besteht auch über die grundsätzliche Erhaltung der Gams im Kürnach-Gebiet, wobei ein Anstieg des Bestandes nicht gewünscht wird.

Jann Oetting nimmt zum Schluss der Veranstaltung durch ein Angebot Schärfe aus dem Streit: der Forstbetrieb wird in der Kürnach in diesem Jahr Gams nur durch die schwierigere Einzeljagd erlegen und bei den effektiveren Drückjagden keine Gams freigeben. Dieser Vorschlag wurde wohlwollend aufgenommen.