Bürger sollen Mülltonnen künftig online anmelden können

Bürger sollen Mülltonnen künftig online anmelden können
Bürger sollen Mülltonnen künftig online anmelden können. Grafik: Landratsamt Unterallgäu
(Unterallgäu)

Neuer Service soll ab 2022 möglich sein – Gelbe Tonne hat sich bewährt

Mehr Service für die Bürger und weniger Arbeit für die Gemeinden soll es künftig beim Müll geben. So soll die Anmeldung oder der Umtausch von Mülltonnen künftig online möglich sein. Voraussetzung dafür ist eine zentrale Erhebung der Abfallentsorgungsgebühren.

Wie der Umweltausschuss des Unterallgäuer Kreistags beschloss, sollen diese ab 2022 nicht mehr von den Gemeinden, sondern vom Landratsamt eingezogen und die Daten zentral erfasst werden. Auch eine andere Umstellung beim Abfall hat sich laut Edgar Putz, Leiter der Abfallwirtschaft am Landratsamt, bewährt. Durch die Einführung der Gelben Tonne seien die Sammelmengen bei den Leichtverpackungen immens gestiegen.

Bislang werden die Abfallentsorgungsgebühren von den Gemeinden eingezogen. Diese erhalten dafür eine Aufwandsentschädigung vom Landkreis. Neben der Veranlagung der Gebühren verwalten die Gemeinden auch die Müllgefäße. Sie halten ein Tonnenlager vor, kümmern sich um die Aus- und Rückgabe oder den Umtausch der Tonnen und geben Sperrmüllkarten und Restmüllsäcke aus. Um eine Restmüll- oder Biotonne an-, um- oder abzumelden, müssen sich die Bürger an die jeweilige Gemeinde wenden.

Dieses System hat sich laut Putz über Jahrzehnte bewährt. „Mit der voranschreitenden Digitalisierung der Verwaltung stößt es jedoch zusehends an seine Grenzen.“ Ab 2022 müssen Verwaltungsleistungen, also beispielsweise auch die Anmeldung von Mülltonnen, weitestgehend online möglich sein. Um diesen Service anbieten zu können, müssen die Daten zentral vom Landratsamt erfasst und verwaltet werden.

„Die Gemeinden sollen aber als Anlaufstellen und Ansprechpartner für die Bürger vor Ort erhalten bleiben“, betonte Landrat Hans-Joachim Weirather. Bürger, die ihre Angelegenheiten gerne online erledigen, sollen im Internet den vollen Service bekommen. Für alle anderen soll weiterhin die Gemeinde Ansprechpartner sein. Die Kommunen sollen jedoch nicht mehr den derzeit erforderlichen Aufwand betreiben müssen, sagte Putz. „Sie brauchen künftig kein Lager mehr, müssen keine Gefäße mehr ausgeben und sich nicht mehr mit den Zahlen befassen.“

Durch die zentrale Erfassung der Daten könne der Service für die Bürger auch anderweitig verbessert werden, erläuterte der Leiter der Abfallwirtschaft. So sei es dadurch möglich, die Tonnen mit einem Mikrochip auszustatten. Damit könne der Tonnenbestand besser erfasst und das Beschwerde-Management optimiert werden. „Man kann das soweit ausbauen, dass man genau nachverfolgen kann, wo das Sammelfahrzeug gerade ist“, sagte Putz. Melde sich etwa ein Bürger, weil seine Tonne noch nicht geleert wurde, wüsste man, wann das Müllfahrzeug kommt. Zudem werde die Ausgabe von Sperrmüllkarten einfacher und man könne durch eine spezielle Navigation vermeiden, dass Straßen bei der Leerung vergessen werden.

Bewährt hat sich Putz zufolge die Umstellung auf die Gelbe Tonne im Jahr 2019. Gegenüber dem Vorjahr seien 1118 Tonnen (7,55 Kilogramm pro Einwohner) mehr Leichtverpackungen gesammelt worden. Das ist eine Steigerung von über 40 Prozent. Vermutlich seien die Verpackungen vorher in der Restmülltonne gelandet. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 3609 Tonnen Leichtverpackungen (24,91 Kilogramm pro Einwohner) gesammelt. Weirather sprach von einem „tollen Komfort“, den die Gelbe Tonne biete. Bürger können Verpackungen damit direkt vor der Haustür entsorgen und müssen diese nicht mehr zum Wertstoffhof bringen. Auch der Gelbe Sack, der 2013 eingeführt wurde, hatte zu einer Steigerung der Sammelmengen geführt – mit einem Plus von 335 Tonnen (2,37 Kilogramm pro Einwohner) fiel diese jedoch nicht so groß aus wie bei der Gelben Tonne.

Weniger erfreulich waren die Entwicklungen auf dem Abfallmarkt. Die Erlöse aus der Vermarktung von Wertstoffen seien weiter zurückgegangen, informierte Putz. Deshalb sei der Haushalt der Abfallwirtschaft heuer unter schwierigen Bedingungen aufgestellt worden. Die Kosten könnten immer weniger durch Erlöse gedeckt werden. Unter anderem aus diesem Grund mussten die Müllgebühren ab diesem Jahr angehoben werden. Der Haushaltsansatz 2020 zeige, dass dies unumgänglich war, sagte Weirather. Der Umweltausschuss empfahl dem Kreistag, den Ansatz wie vorgeschlagen zu genehmigen.