40. Handwerkertage im Bauernhofmuseum Illerbeuren

Handwerkertage Bauernhofmuseum Illerbeuren Allgäu
Handwerkertage finden zum 40. Mal im Bauernhofmuseum statt – Schwabens Handwerk erleben. Foto: © Bauernhofmuseum Illerbeuren / Kutter

Handwerkertage finden zum 40. Mal im Bauernhofmuseum statt – Schwabens Handwerk erleben

Jubiläums-Handwerkertage am 7. und 8. September 2019. Vertreter vieler traditioneller Handwerkszünfte sind zu Gast.

Das Handwerk war noch vor wenigen Jahrzehnten selbstverständlicher Bestandteil des dörflichen Alltags. Akustisch verkündeten im Dorf Hammerschläge und Sägekreischen von der Arbeit des Schmieds oder dem Betrieb der Sägemühle. Dem Handwerk erwächst aus seiner langen Tradition eine besondere Stellung, die im Bauernhofmuseum insbesondere an den Handwerkertagen in unvergleichlicher Weise der Öffentlichkeit nähergebracht wird. Die Handwerkertage sind nicht nur eine Rückschau in längst vergangene Zeiten, sondern stellen zugleich den prägenden Wirtschaftsfaktor des heutigen Handwerks als innovative Unternehmer heraus. Das Bauernhofmuseum hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Wirtschafts- und Sozialgeschichte der ländlichen Räume in Schwaben im Kleinen abzubilden. Neben den Gebäudetypen wie einer Dorfschmiede aus Lobach oder einer ganzen Maschinenwerkstatt aus Aichstetten, präsentiert das Museum in Schauwerkstätten einzelne Handwerkszweige, darunter eine eingerichtete Wagnerei, eine Bürstenmacherei oder eine Schuhmacherwerkstatt.

Handwerk bewahren und vermitteln

Um ein Handwerk aber verständlich zu machen, bedarf es jedoch mehr als nur einer Ansammlung von Arbeitsgeräten. Vielen Besuchern erschließt sich die Funktion eines Werkzeuges erst durch seinen Gebrauch. Aus diesem Grund finden jedes Jahr im September die Handwerktage im Museum statt, dieses Jahr bereits zum 40. Mal.

Bei den ersten Handwerkertagen im Jahre 1980 waren schon viele alte Meister unter den Vorführenden, und das ist heute immer noch so. Einige aus dieser Anfangszeit sind sogar noch aktiv. Besonders erfreulich ist es aber, dass sich auch junge Leute der Tradition des Handwerks annehmen, die alten Techniken erlernen und dem interessierten Publikum vorführen.

So zeigt die Familie Pfeifer aus Memmingen inzwischen schon in dritter Generation auf den Handwerkertagen die Herstellung von Bindfäden, Stricken und Tauen. Auch die Bäckerfamilie Heim aus Illerbeuren gehört zu den Handwerkern der „ersten Stunde“. Seit 1980 backen sie Bauernbrote und Waien (Brotfladen) für die Museumsbesucher und erklären und zeigen die Funktionsweise des feuerbeheizten Backhauses. Kerbschnitzer Josef Brunner aus Buxheim führt seit 40 Jahren seine Kunstfertigkeit im Umgang mit Holz vor. Auch Gertrud Weizenegger aus Kempten ist bereits seit den 1980er Jahren dabei und zeigt am Flachsspinnrad, wie aus pflanzlichen Fasern feine Flachsfäden gefertigt werden. Insgesamt bereichern rund 50 Gewerke – vom Bäcker bis zum Zimmermann – mit ihren Handwerksvorführungen die Handwerkertage. Die Akteure kommen aus ganz Schwaben, dem Allgäu und darüber hinaus.

Als der Museumsgründer Hermann Zeller 1980 die Handwerkertage initiierte, konnte er nicht ahnen, welche Erfolgsgeschichte er damit begründete. Damals waren die Handwerkertage eine völlig neue Veranstaltung. Seither zeichnen sich die Illerbeurer Handwerkertage dadurch aus, dass das Handwerk, die alten Techniken und die Handwerker im Vordergrund stehen. Denn das eigentliche Leben einer Handwerkstube ist die Person, die die Werkstätte mit ihrer Tätigkeit erfüllt.

Zum Jubiläum können sich die Besucher auf ein noch umfangreicheres Programm freuen: Zwei Gattersägewerke, eins von Peter Röck aus Wiggensbach sowie das mobile Gebirgsgattersägewerk von Josef Linder aus Blaichach, werden in Betrieb sein. Bürstenmacher, Kachelofenbauer, Heinzenmacher, eine mobile Obstbrennerei und eine über 100 Jahre alte Schaufelstielmaschine sind neu dabei.

Der Heimatdienst Illertal e.V. wird am Handwerkswochenende erstmalig eine historische Baustelle betreuen. Gezeigt wird altes Zimmermannshandwerk. Auf einem Reißboden wird eine Dachstuhlrekonstruktion nur auf Grundlage von schriftlich überlieferten Stücklisten für ein Feuerwehrrüsthaus aus dem 18. Jahrhundert aufgeschnürt. Wie Holzbau früher aussah, kann hier live erlebt werden.

Hans Bienert aus Lautrach betreut mit seinen Mitstreitern eine große Landmaschinenschau, in der alle Arbeitsschritte und Gerätschaften rund um die Getreideernte in Betrieb gezeigt werden: vom gedroschenen Korn bis zum fertig gebackenem Brot. Highlight der Schau ist die Inbetriebnahme einer historischen Dampfmaschine aus dem Jahr 1890, die einen Stiftendrescher antreiben wird. Eine Strohseilmaschine der Jahrhundertwende der Firma „Burkert & Co“ aus dem württembergischen Gerabronn kommt ebenso zum Einsatz. Auf dem Dreschboden ist der rhythmische Klang des Dreschflegels zu hören, der heute längst in Vergessenheit geraten ist.

Die Veranstaltung ist besonders durch die langjährige Zusammenarbeit mit der Gemeinde Kronburg-Illerbeuren, dem Schützenverein, der Feuerwehr aus Illerbeuren und den Musikkapellen aus Illerbeuren und Lautrach so erfolgreich. Für Bewirtung sorgen seit vielen Jahren zudem die Museumsgasthäuser „Gromherhof“, „Torfwirtschaft Otto Hamp“ und die Landfrauen aus dem Illerwinkel.

Die Vorführungen finden am 7. und 8. September jeweils von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr statt. Es gilt der normale Museumseintritt und Jahreskarten haben ihre Gültigkeit.

Weitere Informationen unter www.bauernhofmuseum.de oder telefonisch unter (08394) 1455.